Was ist ein Audiogramm?

Das Audiogramm ist eine grafische Darstellung der Hörempfindlichkeit einer Person bei verschiedenen Frequenzen (von tiefen bis zu hohen Tönen). Die horizontale Achse dieser Grafik stellt die Frequenzen dar (angegeben in Hertz), die vertikale Achse die Lautstärke (also die Schallintensität, angegeben in Dezibel). Das Audiogramm zeigt somit den leisesten Ton, den eine Person bei jeder einzelnen Frequenz noch wahrnehmen kann.

Wie läuft die Untersuchung für ein Audiogramm ab?
Der Hörtest wird in einer schallgeschützten Kabine durchgeführt. Ein Gerät, das Audiometer genannt wird, sendet dabei Töne in unterschiedlicher Lautstärke und Frequenz aus. Die getestete Person gibt jedes Mal ein Zeichen (durch Heben der Hand oder Drücken eines Knopfes), wenn sie einen Ton hört. So kann die Audiologin bzw. der Audiologe die Hörempfindlichkeit für jede Frequenz erfassen. Diese Ergebnisse werden im Audiogramm festgehalten.

Was sagt das Audiogramm aus?

Das Audiogramm liefert klare Informationen über:

  • Die Hörempfindlichkeit bei verschiedenen Frequenzen: Es hilft festzustellen, welche Tonfrequenzen nur schwer wahrgenommen werden. Manche Menschen hören beispielsweise tiefe Töne (Bass) deutlich besser als hohe Töne (Sopran).
  • Das Ausmaß des Hörverlusts: Das Audiogramm klassifiziert den Grad des Hörverlusts – von normalem Hörvermögen bis hin zu hochgradigem oder an Taubheit grenzendem Hörverlust, je nachdem, wie hoch die erforderliche Lautstärke bei jeder Frequenz ist.
  • Die Art des Hörverlusts: Das Audiogramm hilft, die Art des Hörverlusts zu bestimmen – ob es sich um eine Schallleitungsschwerhörigkeit (verursacht durch Probleme im äußeren oder Mittelohr), eine Schallempfindungsschwerhörigkeit (verursacht durch Probleme im Innenohr) oder um eine kombinierte Schwerhörigkeit (eine Mischung aus beidem) handelt.

Wie liest man ein Audiogramm?

  1. Horizontale Achse (Frequenzen)
    Die Frequenzen reichen von tiefen Tönen (250 Hz, etwa das Geräusch eines großen Fahrzeugs) bis zu hohen Tönen (8000 Hz, etwa der Gesang eines Vogels). Die tiefen Frequenzen befinden sich links in der Grafik, die hohen Frequenzen rechts.
  2. Vertikale Achse (Intensität)
    Die Intensität beziehungsweise Lautstärke wird in Dezibel (dB) angegeben, beginnend bei 0 dB (der leiseste Ton, den ein gesundes Ohr wahrnehmen sollte) bis hin zu höheren Werten, die einen stärkeren Hörverlust anzeigen. Höhere Dezibelwerte liegen im Audiogramm weiter unten und zeigen unterschiedliche Grade des Hörverlusts an.
  3. Die Zeichen im Audiogramm
    Im Audiogramm werden für jedes Ohr eigene Symbole verwendet (X für das linke Ohr und O für das rechte Ohr). Zeigt ein Audiogramm für beide Ohren unterschiedliche Werte, liegt ein asymmetrischer Hörverlust vor – das heißt, ein Ohr kann stärker beeinträchtigt sein als das andere.

Warum ist das Audiogramm so wichtig?

Früherkennung von Hörproblemen:
Das Audiogramm ist ein zentrales Instrument zur frühzeitigen Erkennung von Hörproblemen, was entscheidend ist, um eine weitere Verschlechterung des Gehörs zu verhindern. Bei Kindern ist das Audiogramm besonders wichtig, da ein früher Hörverlust die Sprachentwicklung und die soziale Entwicklung beeinträchtigen kann.

Planung der Behandlung:
Die Ergebnisse des Audiogramms ermöglichen es der Audiologin bzw. dem Audiologen, die erforderliche Behandlung festzulegen. Diese kann Hörgeräte, andere Hörhilfen oder einen chirurgischen Eingriff umfassen.

Kontrolle von Veränderungen des Gehörs:
Mit dem Audiogramm lassen sich Veränderungen des Hörvermögens im Laufe der Zeit beobachten. Das ist besonders wichtig für Personen, die hoher Lärmbelastung ausgesetzt sind oder Erkrankungen haben, die das Gehör beeinflussen.

Grundlage für die Anpassung von Hörgeräten:
Das Audiogramm dient zudem als Leitfaden für die Anpassung von Hörgeräten. So wird sichergestellt, dass diese genau jene Frequenzen verstärken, die die betreffende Person am dringendsten hören muss.

Einteilung des Hörverlusts im Audiogramm

  • Normales Hörvermögen (0–25 dB): Die Person hört gut und hat keinerlei Schwierigkeiten.
  • Geringgradiger Hörverlust (26–40 dB): Leise Töne oder Gespräche bei Hintergrundgeräuschen können schwer verständlich sein.
  • Mittelgradiger Hörverlust (41–55 dB): In der Regel müssen Töne verstärkt werden; normale Gespräche können schwer zu verstehen sein.
  • Mittel- bis hochgradiger Hörverlust (56–70 dB): Alltägliche Umgebungsgeräusche können undeutlich oder schwer wahrnehmbar sein.
  • Hochgradiger Hörverlust (71–90 dB): Selbst laute Töne sind ohne Hörhilfe schwer wahrnehmbar, und gewöhnliche Gespräche werden sehr schwierig.
  • An Taubheit grenzender Hörverlust (91+ dB): Es ist eine starke Verstärkung erforderlich; die betroffene Person ist zum Verstehen von Gesprächen meist auf Hörgeräte oder andere Hilfsmittel angewiesen.