Otoakustische Emissionen (OAE – Otoacoustic Emissions) sind ein objektiver Hörtest, der in erster Linie zur Beurteilung der Funktion des Innenohrs eingesetzt wird. Diese Messung ist präzise und zuverlässig, um einen Hörverlust aufzudecken, und hat besondere Bedeutung für die frühzeitige Diagnostik bei Säuglingen und Kleinkindern. In diesem Beitrag erläutern wir, was otoakustische Emissionen sind, wie die Untersuchung abläuft und was uns die Ergebnisse sagen.
Was sind otoakustische Emissionen (OAE)?
Otoakustische Emissionen sind Schallsignale, die von den Haarzellen des Innenohrs erzeugt werden, während diese die ankommenden Töne verarbeiten. Diese Zellen befinden sich in der Cochlea, bewegen sich als Reaktion auf Schallreize und erzeugen dabei ein zurückgesendetes Schallsignal, das von den OAE-Messgeräten aufgezeichnet und ausgewertet wird. Diese Antwort ist ein Zeichen für eine gesunde Funktion der Cochlea und zeigt an, dass das Hörvermögen erhalten ist.
Wie läuft die Messung der otoakustischen Emissionen ab?
- Vorbereitung der Patientin oder des Patienten
Die Messung der otoakustischen Emissionen ist schnell und schmerzfrei. Die Patientin oder der Patient bleibt ruhig; bei Säuglingen wird der Test häufig im Schlaf durchgeführt. Der äußere Gehörgang wird gereinigt, damit keine Verunreinigungen die genaue Messung beeinträchtigen. - Einsetzen der Sonde in das Ohr
Eine kleine Sonde wird behutsam in den Gehörgang eingeführt. Diese Sonde sendet Schallreize in Form von Klicks oder anderen kurzen Tönen in das Ohr. - Aufzeichnung der Antwort der Cochlea
Das OAE-Gerät zeichnet die Antwort auf, die von den Haarzellen der Cochlea erzeugt wird. Arbeitet die Cochlea einwandfrei, erzeugt sie ein zurückgesendetes Schallsignal, das von der Sonde registriert wird. - Auswertung der Ergebnisse
Reagiert die Cochlea nicht auf die gesendeten Reize, kann dies auf ein Problem der Haarzellen oder auf einen Hörverlust hindeuten, der die Fähigkeit des Ohres zur Schallverarbeitung beeinträchtigt. Die OAE-Messung zeigt die Funktion des Innenohrs deutlich an und hilft zu unterscheiden, ob ein Hörverlust mit der Cochlea oder mit anderen Strukturen des Hörsystems zusammenhängt.
Wofür werden otoakustische Emissionen eingesetzt?
Die OAE-Messung ist besonders wertvoll für:
- Die Beurteilung des Hörvermögens bei Säuglingen und Kleinkindern: Otoakustische Emissionen sind die am besten geeignete Methode, um Säuglinge zu untersuchen, da diese keine subjektiven Rückmeldungen geben können. Der Test wird häufig in den ersten Tagen nach der Geburt durchgeführt, um Hörstörungen frühzeitig zu erkennen.
- Das Screening (die Vorsorgeuntersuchung) von Risikogruppen: Aufgrund seiner schnellen und nicht invasiven Durchführung wird die OAE-Messung bei Gruppen eingesetzt, die ein erhöhtes Risiko für einen Hörverlust tragen – etwa Kinder mit wiederholten Ohrentzündungen, Kinder nach Einnahme gehörschädigender Medikamente oder Kinder mit Hörstörungen in der Familie.
- Die Beurteilung der Gesundheit der Cochlea: Bei Personen mit einer Schädigung des Mittelohrs, etwa bei einer Verlegung des Gehörgangs oder anderen Entzündungen, hilft die OAE-Messung zu bestätigen, ob die Cochlea einwandfrei arbeitet. So kann die Audiologin oder der Audiologe die Art des Hörverlusts genauer bestimmen.
Welche Ergebnisse sind bei der OAE-Messung zu erwarten?
Die Ergebnisse der OAE-Messung lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen:
- Nachweisbare otoakustische Emissionen: Wenn die Cochlea einwandfrei arbeitet und die Haarzellen normal auf die Reize reagieren, zeigt der Test das Vorhandensein otoakustischer Emissionen. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass das Innenohr die Töne regelrecht verarbeitet und das Hörvermögen gesund ist.
- Fehlende otoakustische Emissionen: Werden keine otoakustischen Emissionen aufgezeichnet, kann dies auf ein Problem im Innenohr hinweisen. Das Ausbleiben der Antwort kann eine Schädigung der Haarzellen der Cochlea bedeuten oder einen Hörverlust, der weitere Untersuchungen erfordert, um Ursache und Ausmaß zu bestimmen.
Die Vorteile der Messung otoakustischer Emissionen (OAE)
- Nicht invasiv und schnell: Die Untersuchung ist vollkommen schmerzfrei und dauert in der Regel nur wenige Minuten, was sie für Säuglinge und Kleinkinder ideal macht.
- Hohe Genauigkeit beim Nachweis von Störungen der Cochlea: Die OAE-Messung erkennt einen mit Schädigungen der Cochlea verbundenen Hörverlust sehr zuverlässig und hilft, Störungen zu identifizieren, die die Sprach- und Sprechentwicklung beeinträchtigen können.
- Gut geeignet als Vorsorgeuntersuchung: Die OAE-Messung ist häufig der erste Schritt der Hörprüfung und wird im Neugeborenen-Hörscreening in Kliniken und pädiatrischen Praxen breit eingesetzt.
Was geschieht nach der OAE-Messung?
Zeigen die Ergebnisse nachweisbare otoakustische Emissionen, schließt dies einen bedeutsamen Hörverlust in der Regel aus, und das Hörvermögen des Säuglings gilt als gesund. Fehlen die otoakustischen Emissionen jedoch, kann die Audiologin oder der Audiologe weitere Untersuchungen empfehlen, um das Ausmaß des Hörverlusts zu bestimmen und die am besten geeignete Behandlung festzulegen.
Fazit
Otoakustische Emissionen sind eine wichtige Methode zur Früherkennung von Hörstörungen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, die keine subjektiven Rückmeldungen geben können. Diese schnelle und schmerzfreie Untersuchung spielt eine wesentliche Rolle bei der Diagnostik eines Hörverlusts und ermöglicht eine frühzeitige Behandlung, die die gesunde sprachliche und soziale Entwicklung des Kindes unterstützt. Wenn Sie weitere Fragen zu otoakustischen Emissionen haben, lassen Sie sich von Ihrer Audiologin oder Ihrem Audiologen ausführlich beraten.